Mittwoch, 13. Februar 2008

Negative Gefühle aussprechen statt vermeiden

„Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft (Koinonia) miteinander und das Blut seines Sohnes reinigt uns von aller Sünde.“ (1. Joh. 1.7)


Diese herausfordernde Aussage ist seit Jahren mein Lieblingsvers in der Bibel. Gemeinschaft brauchen wir ja alle, denn wir sind dazu geschaffen.

Wer Gemeinschaft sucht, denkt aber oft in erster Linie an „Kuschelatmosphäre“, gute Gefühle und Beziehungen frei von Konflikt oder Schmerz. Dass aber gerade Schmerz und schwierige Klärungsprozesse erst die Grundlage für Gemeinschaft sein könnten, will uns nicht so recht gefallen.

Um Konflikte zu vermeiden oder um uns und anderen Schmerz zu ersparen, vermeiden wir so manches Thema, behalten wir negative Gefühle für uns selbst und fressen Frust in uns hinein.

Ich meine nun nicht, wir müssten das Herz auf der Zunge tragen und unseren Frust immer sofort und überall abladen nach dem Motto „Soll doch der andere schauen, was er damit macht ...“


Gefühle mit Gott besprechen

Dieser Bibelvers ermutigt mich, meine Gefühle bewusst wahrzunehmen, und egal ob positiv oder negativ, sie mit Gott zu besprechen. Und dabei habe ich schon oft erlebt, dass er mir eine neue Perspektive gab. Wo ich vorher nur das Fehlverhalten des anderen sah, kam mir Gott mit seinem Licht zu Hilfe.

So erkannte ich zum Beispiel in einem Teamkonflikt, dass meine Resignation und mein innerer Rückzug – wofür ich natürlich eine „gute Erklärung“ hatte – wesentlich zu den Irritationen beigetragen hatten.
Wenn Gott so Licht in mein Leben bringt, fällt es mir auch leichter, um Vergebung zu bitten und mich zu versöhnen.


Wann wir Gemeinschaft verpassen

Gott ist offensichtlich viel realistischer als wir.
Menschliches Versagen, Sünde, ist für ihn Alltagsrealität.
So muss auch mein Leben und mein Beziehungsumfeld nicht perfekt sein.

Aber wenn ich bereit bin, radikal im Licht zu leben, ist für meine Unzulänglichkeiten schon gesorgt.
Denn das Blut seines Sohnes reinigt mich von aller Sünde.

Der Preis für dieses Leben im Licht scheint uns manchmal unbezahlbar hoch.
Es kostet uns ja oft auch unseren Stolz.
Aber dafür gewinnen wir Koinonia, echte Gemeinschaft.

Oder anders herum: Nicht im Licht zu leben hat einen viel höheren Preis.
Denn wir verpassen das Höchste, was Gott für uns bereithält: Gemeinschaft.


Wilf Gasser
29 Oktober 2007 - Crossnet

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